Donnerstag, 30. Juli 2020

Zahlen sagen manchmal mehr als Worte

Jedes Jahr werden ca. 135 Mio. Kinder geboren und es sterben etwa 50-60 Mio. Menschen weltweit.
Etwa zwei Drittel der Tode sind altersbedingt, d.h. oft verbunden mit Erkrankungen, denen der geschwächte Organismus nichst mehr entgegen zu setzen hat.

Offiziell sterben unter anderem:
  • ~ 9,5 Mio. an koronaren Herzkrankheiten
  • ~3 Mio. an chronischen Lungenerkrankungen
  • ~3 Mio. an Lungenentzündungen
  • ~ 3 Mio. an Alkoholmissbrauch
  • ~ 1,4 Mio. an Durchfall
  • ~1,4 Mio. durch Verkehrsunfälle
  • ~1 Mio. an AIDS
  • ~800.000 an Selbstmord

    Von den 7,7 Milliaren Menschen auf der Erde leiden 821 Mio. an Hunger. Etwa 30-40 Mio. Menschen sterben im Jahr an zu wenig Nahrung bzw. den direkten Folgen der Unterernährung.

Aktuell fallen zudem noch ~670.000 Menschen unter die Todeszahlen, die positiv auf Corona getestet wurden. Die genauen Todesursachen wurden leider nicht veröffentlicht. Es gibt aber qualitative Studien, die zeigen, dass meist massive Vorerkrankungen und/oder hohes Alter vorliegen. Man schätzt, dass wenige Prozent tatsächlich an den Folgen eines Corona-Virus und damit einer Lungenerkrankung sterben. Folglich, je mehr getestet wird, desto mehr Menschen fallen in die Statistik.
Es bleibt also zu erwarten, dass die Zahl der sog. Corona-Toten noch weiter steigen wird – das wird dann, je nach Testintensität und -dichte, die „zweite“ und „dritte Welle“ genannt.
Die spanische Grippe (vor 100 Jahren) hatte ebenfalls drei Wellen – es starben ca. 30-40. Mio. Menschen an den direkten Folgen.

In D sind aktuell aufgrund von Corona momentan etwa 650.000 Menschen ohne Job. Die Zahl steigt stetig weiter. Seit Mitte März haben laut Handelsblatt (9.7.) alleine in den USA etwa 45 Millionen Menschen ihren Job verloren. Weltweite Zahlen zur Massenarbeitslosigkeit und Verarmung stehen noch aus.
Die Prognose ist jedoch offensichtlich: es kommen massive Insolvenzen und damit auch eine Verschiebung des Vermögens hin zu den ohnehin extrem Wohlhabenden auf uns zu.  

Die Verhältnismäßigkeiten dieser Krise kann und sollte sich jeder selbst vor Augen führen.

Sonntag, 19. Juli 2020

Das Leben wird dich immer kriegen...

don´t think a mountain home means you´re free
a day doesn´t pass without its cares
old ladies steal my bamboo shoots
boys lead oxen into the wheat
grubs and beetles destroy my greens
boars and squirrels devour the rice
things don´t always go my way
what can I do but turn to myself
(aus: „The mountain poems of Stonehouse“, übersetzt von Red Pine)

So beschreibt der erleuchtete Einsiedler Stonehouse im 14. Jahrhundert die Erschwernisse des eigentlich einsamen Lebens auf einem Berg. Er weist darauf hin, dass das Leben überall und immerzu Herausforderungen für uns bereithält. Seien es nun die Tiere, welche die Ernte zerstören oder vorbeiziehende Menschen, die jede Gelegenheit zur Achtlosigkeit oder zum Stehlen nutzen. Diesbezüglich hat sich niemals etwas geändert. Wenn also der Leser glaubt, das Leben als Eremit sei irgendwie einfacher – Stonehouse sagte es mit folgenden Worten eindrücklich, dass es nur einen Weg gibt, der Vorstellung von einem einfachen Leben zu entkommen: was kann ich tun, außer mich meinem Selbst zuzuwenden? Die wahre Freiheit, so erkennt es der erleuchtete Einsiedler, liegt nur in der Schönheit des eigenen Selbst, im Frieden und der Liebe, die wir alle im Kern sind.
Auch wenn es so scheint, als würde uns das Leben in Arbeit und Schwierigkeiten ersticken wollen, so ist der ganze Trubel nur an der äußersten Oberfläche unseres Sein zu erkennen. Tauchen wir nur ein wenig in das ein, was die Tiefe unserer wahren Natur offenbart, verschwindet jede Mühsal und jeder Kummer schneller als es der Verstand glauben mag.
Die Fähigkeit zur Innenschau, die über Emotionen und Gedanken hinweg blickt, kann ein mächtiges Werkzeug im Leben sein, sofern es gepflegt wird. In ruhigen Zeiten das Selbst zu erforschen, mit allen Mitteln, die z.B. in diesem Blog aufgezeigt werden oder durch einen Lehrer vermittelt werden können, lässt uns in stürmischen Momenten erkennen, dass da kein Sturm ist. Sehen wir einen Horrorfilm, dann verschwindet die Furcht, sobald wir dem Film die Aufmerksamkeit entziehen. Haben wir einen Alptraum, so weicht die Angst mit dem Erkennen, dass es nur ein Traum ist. Sind wir daran gewöhnt, einen Einblick in das Ausmaß des inneren Friedens zu gewinnen, kann uns der oberflächliche Trubel immer weniger anhaben.
Die Triggerpunkte verschwinden nach und nach, auch wenn es sich um sogenannte tiefe psychische Wunden handelt, die das Leben immer wieder aufreißt. „What can I do but turn to myself.“, meint nicht mich selbst als Person. Der zum wahren Selbst erwachende Mensch erkennt in Körper und Psyche lediglich eine automatische bzw. karmische Funktion, die eingebettet in die gesamte Existenz gemäß Ursache und Wirkung ohne menschlichen Willen und Entscheidungsfreiheit abläuft - eben wie ein Film, der ein Drehbuch hat. Was im Erkennen der eigenen Natur nachlässt, ist der Glaube an die Identifikation mit Körper und Geist. Dadurch entspannt sich das ganze System nach und nach und auch das Leben wird tendenziell „leiser“ - gemäß der Stille und dem Frieden, welche in uns verborgen liegen. Aber niemals so ganz und auch nicht sofort, wie uns Stonehouse so wunderbar aufzeigt.

Freitag, 26. Juni 2020


Wer regiert hier wen? Über die Wichtigkeit der Unterscheidung!

Geld heißt es, sei Macht und diese Einsicht beruht auf Beobachtungen, die nun mehr als offensichtlich gemacht wurden. Keine mächtige Organisation, auch keine Partei und keine NGO kommt ohne mächtige Geldgeber aus. Entsprechend sind es Einzelinteressen, die weltweit propagiert und vertreten werden. Von dieser Ebene geschieht nichts! zum Besten der Weltbevölkerung - das sollte jedem klar sein.
Zur Ablenkung und Täuschung werden uns Bilder von Gut und Böse, Richtig und Falsch tagtäglich um die Ohren gehauen (sofern wir uns darauf einlassen). Es gibt immer weniger Grautöne, dafür mehr grobe, einseitige Unterscheidungen im Journalismus. Die Medien gehören letztlich Menschen mit Kapital und Interessen und sind eingebunden in finanziell fein gestrickte Netzwerke. Jede Redaktion hat Vorgaben und manch kritischer Bericht ist schlichtweg nicht mehr erlaubt. Wer etwas anderes sagt wird diffamiert und verleumdet, was die Bevölkerung noch mehr verunsichert.
Allgegenwärtig sind die Methoden, welche in den Standardwerken zu Propaganda und Manipulation der Massen beschrieben werden. Es werden die Techniken der Beeinflussung genutzt: es wird Angst gemacht, an Emotionen appelliert und es wird damit gerechnet, dass die kreierte Massenhysterie eine Gesellschaft blind und beeinflussbar macht. Das Volk verlangt durch die Angst nach starker Führung und kann nichts mehr mit Freiheit anfangen. So wiederholt sich dunkle Geschichte im neuen Gewand.

Die herrschende Gesellschaftsordnung ist der Kapitalismus – eine Ideologie der Neuzeit. Das Endstadium des Kapitalismus bedeutet Zentrierung und Monopolismus. Die Schutzmechanismen, welche dies verhindern sollen, werden leicht durch die Herrschenden ausgehebelt. Das Resultat ist: die Welt gehört heute wenigen, die überall regieren. Das Geld hat sich immer mehr zentriert und die 0,1 % Superreichen sind omnipotent in allen wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Bereichen an Schlüsselstellen vertreten. Wir können überall nachlesen, wie viel die Mächtigen an der Krise verdient haben und es ist zu erwarten dass sie sich noch mehr bereichern werden, während andere insolvent gehen und ihr Geschäft und ihren Besitz aufgeben müssen. Wir erleben hier eine massive Kapitalverschiebung direkt vor unserer Nase aber sollen uns an Viren und Rassismus abarbeiten.

Wir leben in einer Welt, die sich schleichend verändert hat. Dies wird immer offensichtlicher und es wird geradezu überdeutlich, wenn man einen Blick auf 40 Jahre alte Fernsehdiskussionen wirft und diese offenen, gelassenen Gespräche mit der einseitigen politischen Korrektheit der Jetztzeit vergleicht. Errungenschaften, wie Demokratie und Meinungsfreiheit sind in den Jahren unbeobachtet zwischen den Fingern verronnen.
Ein eigenartiges Spiel, welches sich beobachten lässt und viele Menschen fragen sich, was jetzt zu tun ist.

Mir wird deutlich, dass die Unterscheidungsfähigkeit immer wichtiger wird. In der Entwicklung zu dem, was wir alle sind, ist die Fähigkeit zur Unterscheidung eine zentrale Fähigkeit, die von immenser Bedeutung ist. Das geschärfte Bewusstsein, welches unterscheidet und nicht mehr der Angst und falschen Propheten folgen braucht. Es unterscheidet zwischen dem, was beobachtet und alles bezeugt und dem, was geschieht. Das klingt vielleicht unbedeutend, ist aber der wichtigste Faktor zwischen dem Prozess des Aufwachens bzw. der Erleuchtung und dem leiderfüllten Leben als Person in einer Welt.
Es ist auch wichtig, um die kreierte und im Volk manifestierte Angst zu erkennen und zu begreifen, dass die Angst kein Teil von dem ist, was wir sind. Nur ohne Angst können wir frei und richtig handeln und müssen keinem Heilsversprechen glauben und keine Gespenster bekämpfen.
Die Unterscheidungsfähigkeit sollte durch eine geschärfte Aufmerksamkeit geschult werden. Das Bewusstsein für das eigene Sein, die ungetrübte Existenz, ist der Dreh- und Angelpunkt. In diesem Sein taucht alles auf, was wir als uns und unser Leben, unsere Welt betrachten. Ohne dieses Sein verschwindet alles. Das ist zunächst die einzige Wahrheit, die wir erkennen und akzeptieren müssen. Auch ohne Religion und Führung tauchen in dieser einfachen Verschiebung unseres Bewusstseins alle göttlichen Eigenschaften auf, nach denen sich der Mensch insgeheim sehnt.
So wird das Leben zu einem Spiel in einem Theater, das wir selbst sind. Wir sind das Haus, die Schauspieler, die Kulissen und die Zuschauer zugleich. Und andererseits sind wir nichts davon.
Das ist die wahre Freiheit, die uns niemand nehmen kann und die niemand kennt, dessen Herz von Gier erfüllt ist.
Mit dieser Haltung können wir mutig unser Leben leben. Das bedeutet, wir sind nicht betrübt durch die Angst, welche das stärkste Mittel der Kontrolle und die größte Einschränkung im Leben ist. Wir müssen uns nicht abarbeiten an trügerischen Berichten und keine Wut auf unseresgleichen ausleben. Wir müssen nicht konsumieren, um uns zu befriedigen und um einen Ausgleich für das Unglück in toten Gegenständen zu erkaufen. Wir lassen uns dann nicht mehr beirren durch die Hysterie und das beschworene Ende des Leidens durch ein Heilmittel und die totale Kontrolle, die uns schmackhaft gemacht werden soll. Wir erkennen einfach, dass wir schon immer frei waren und keiner uns etwas kann.

Samstag, 20. Juni 2020

Vom Alltagsbewusstsein in die Meditation

Schau aus deinen Augen, erkenne deine Gedanken, spüre deinen Körper. Erkenne, dass etwas in dir alles wahrnimmt. Dehne die Aufmerksamkeit soweit es dir möglich ist. Nimm alles wahr, was in dir und um dich ist.
Dann lass das Pronomen weg und schau aus den Augen, erkenne die Gedanken und spüre den Körper. Die Aufmerksamkeit fällt weiter in ihren Ursprung, lässt die Welt der Erscheinung los.
Dieser Ursprung liegt im ICH BIN und existiert vor jedem Gedanken, vor jeder Vorstellung von einer Person und einer Welt. Entsprechend führen Gedanken und Ideen nicht dorthin, nur die totale Entspannung und das Fallenlassen alles Vergänglichem.
Vertieft sich die unpersönliche Wahrnehmung der Welt, dann ist da nur noch Sehen, Erkennen, Spüren. Die fünf Sinne und das Erkennen der Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen sind einfach etwas, das im Raum erscheint. Die Welt, der Mensch - alles reduziert sich auf eins, was erscheint und verschwindet. In der Loslösung ist alles, was erscheint, in Bewegung. Tauchst du tiefer in diese Wahrheit, dann ist da nur noch Licht, Liebe und Ton. Das Ich verschwindet, die Welt verschwindet, was fest schien erscheint in Bewegung und ist nicht zu trennen vom leeren Raum.
Auf jeden Gedanken, der aus Gewohnheit verfolgt wird, folgt ein zweiter Gedanke und die Aufmerksamkeit ruht nicht mehr im Sein. Die Welt erscheint durch den Gedanken, welcher Assoziation, Erinnerung und Interpretation ist. Er hilft bei der Orientierung in der Erscheinung, kann aber nicht erreichen, nicht begreifen, was du wirklich bist. Das Spiel ist, den Gedanken wieder loszulassen, zu erkennen, dass Gedanken beobachtet werden, aber niemand wirklich da ist, der denkt. Frag dich, zu wem der Gedanke kommt, ohne einen Gedanken für die Antwort zu bedienen und du bist wieder dort, wo dich der erste Gedanke hergeholt hat. Da ist wieder nur das, was sieht, hört... alles wahrnimmt.

Samstag, 13. Juni 2020


Wahrheit in Worten 
 
Worte der Wahrheit sind fließend. Die Wahrheit ist nicht fix. Es ist eine Perspektive, ein scheinbar fixer und zugleich temporärer Punkt, der für einen Moment eine Wahrheit liefert. Vielleicht morgen, aus einer anderen Perspektive wird eine andere Wahrheit offenbart, die mit anderen Worten genauso wahr ist. Wahrheit in Worten kann sich niemals auf Dauer bestätigen, deshalb gilt:

Wahrheit in der Stille
Wahrheit ohne Worte
Ist der einzige Platz
In welchem Wahrheit immer Bestand hat.

Denn was ist Wahrheit letztlich nicht? Sie kann keine Beschreibung von etwas sein, da ihr Erkennen von veränderlichen Standpunkten und trügerischen Sinnen oder Messmethoden abhängt. Das erkennt auch die Wissenschaft, welche Hypothesen als Überganglösung für eine temporär geltende Wahrheit liefert oder das Axiom, welches nicht bewiesen werden kann und nur innerhalb eines bestimmten Systems Gültigkeit hat. Da ist nichts Absolutes.
Wir hören oft, wie jemand behauptet, die Wahrheit zu verkünden. Und auch wir glauben in manchen Momenten, die Wahrheit zu vertreten, um dann irgendwann festzustellen, dass sich diese Wahrheit nicht bestätigt hat. Das gehört zum menschlichen Lernen dazu und es ist tragisch, wenn diese Einsicht eigener Fehlbarkeit im Geist keine Verankerung findet, wenn kein klares Verständnis für die eigene, menschliche Natur stattfindet. Ist es nicht ein Zeichen größter Dummheit, wenn der eigene Wahrheitsglaube zu Überheblichkeit führt?
Wahrheit in der Stille ist gültig, da die Stille unbeweglich ist. Sie ist der Zufluchtsort im Kern unseres Seins, wo keine Gedanken mehr existieren können und die Wahrheit nicht mehr verkündet werden muss. Es ist der Ort, an dem alles völlig klar ist, ohne Frage und Antwort.
Warum gibt es dann überhaupt Weisheitslehren, mag man sich dann fragen. Eine Lehre hat nur so lange eine Berechtigung, wie sie den Zuhörer in die Stille verweist, wo die Wahrheit selbst erkannt werden kann. Liest du einen Text oder hörst du einen Lehrer zu und die Gedanken werden still und ein Gefühl der Ausdehnung setzt ein, dann weist dieser Text oder Lehrer für dich in diesem Moment in die richtige Richtung. Diese Indikatoren sind wichtig. Nur sie lassen unterscheiden, ob ein Weg fruchtbar für mich ist oder nicht. Es ist das, was du selbst bist, das da ruft. Du hast dann einen Anhaltspunkt, um selbst in dir weiter zu suchen. Und wie findet man? Indem man alles fallen lässt, was eine Spur der Veränderlichkeit aufweist. Kommst du dem Unveränderlichen näher, wird auch die Wahrheit lauter. Direkt vermittelt werden kann sie jedoch niemals.

Sonntag, 7. Juni 2020

Adam und Eva und der Sündenfall

Ich bin kein Bibelexperte aber es macht durchaus Freude, die Geschichten aus der eigenen Perspektive zu deuten. Eine Perspektive, die hauptsächlich durch alternative Wege zum Christentum geprägt ist.
Die Geschichte von Adam und Eva aus der Genesis ist allgemein bekannt. Ebenso der Konflikt, welcher sich ergab, als Gott ihnen verbot vom Baum der Erkenntnis zu essen: „Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben.“
Das ist eine ziemlich drastische Anweisung und man fragt sich, wieso das arme Paar überhaupt erst in eine Versuchung gebracht wurden, der es niemals auf ewig entsagen konnten. Ihnen wird mit dem Tode gedroht. Selbst über 900 lange Jahre Lebenszeit sind nichts verglichen mit der Ewigkeit.
Was die Kirche dabei betont: durch den Ungehorsam kam die Erbsünde über die Menschheit in Form aller Beschwerden, die wir heute so kennen – insbesondere der Tod, aber auch Schmerzen bei der Schwangerschaft, Hungersnöte, Krankheiten etc., das volle Programm.
Wir schauen uns aber noch einen weiteren Abschnitt an, bevor wir eine andere Interpretationsebene berühren, die in dem Text verborgen liegt. Offensichtlich gab es die Möglichkeit der Entscheidung, welche durch die Schlange an Eva herangetragen wurde:„Da sprach die Schlange zur Frau: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.“
Ein weiterer Abschnitt erläutert dann, worin die Erkenntnis letztlich bestand: „Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von seiner Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß. Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze.“
Es wird hier der Übergang von einer (kindlichen) Perspektive der Unschuld hin zu einer reflektierten Sicht auf das eigene Menschsein, inklusive Scham, beschrieben. Die reflektierte Sicht ist das Erkennen des Selbst in menschlicher Gestalt: die Trennung in Ich und Du, in Richtig und Falsch, in Gut und Böse. Für Scham bedarf es der Reflektion, dass ein anderer etwas über mich denkt und mich als getrennte Person erkennt.
Es gibt im meditativen Zustand das Erleben des reinen Bewusstseins. Man nimmt sich nicht mehr als Person wahr, sondern als ein Teil des göttlichen Bewusstseins, was für mich der Vorstellung vom Paradies gleich kommt. Keine Trennung zwischen Gott und der Welt. Keine Probleme, keine Gedanken – es ist kein Wissen notwendig, um zu verstehen.
Der Baum der Erkenntnis führt zum Menschsein, zu den weltlichen Probleme und der Anerkennung dieser Realität. Das bedeutet auch Leid: von der Schwangerschaft, bis zur Essensbeschaffung und den Tod. Das oben beschriebene volle Programm menschlicher Beschwerden.
Wer hat sich dafür entschieden? Der Text beschreibt die Entscheidung als einen Fehler, eine Versuchung, der nachgegeben wurde. Es wird aber auch klar, dass es keine wirkliche Wahl gab. Einerseits war da die unwiderstehliche Versuchung, andererseits die Verführung durch die Schlange.
Aus der Perspektive des ICH BIN, der reinen Existenz ist da ohnehin niemand, welcher die Entscheidung treffen konnte, außer das Bewusstsein, das Leben an sich. So musste es also geschehen und das EINE begann, sich selbst durch viele Augenpaare zu erleben.
Adam und Eva waren keine Menschen im eigentlichen Sinne. Sie sind Seelen in Einheit mit Gott – da ist keine Verwirrung, etwas zu sein, dass getrennt von Gott ist. Der Garten Eden, das Paradies, beschreibt eben diese Einheit. Nur im Gewahrsein dieser Einheit sind wir wirklich im Paradies.
Der Sündenfall beschreibt die Menschwerdung und die Verwirrung, welche durch das Anerkennen der Trennung in Ich und Du geschieht. Die eigentliche Sünde liegt darin, das zu Verurteilen, was wir selbst sind, sich zu verlieren in Angst und Gier und die persönliche Erscheinung des Menschseins über alles andere zu erheben. Darin liegt das falsche Streben: eben dieses Paradies wieder herzustellen, ohne anzuerkennen, was wir sind.
Es ist zu bedenken: dieser Glaube an die Person, an die Illusion dieser Welt, welche im Erkennen über den Geist und die fünf Sinne geschieht, führt zum Leid. Der strafende Gott steht sinnbildlich für den falschen Glauben, welcher das Gegenteil vom reinen Erleben ist. (Mentale) Erkenntnis steht dem göttlichen Erleben gegenüber bzw. der Geist dem reinen Sein. Unser Geist trennt, urteilt und erkennt sich selbst als getrennt. Diese Trennung kann nicht aufrecht erhalten werden, wenn dem Geist, den Gedanken, keine Glaube geschenkt wird bzw. wenn Gedanken nicht beachtet werden. Das Königreich im Innern, unser eigentliches Erbe, wird wieder entdeckt, wodurch sich das (falsche) Erkennen auflöst und der Apfel seine Wirkung verliert.
Das Bild von der Schlange mit dem Baum der Erkenntnis erinnert an den Äskulapstab, dem Zeichen der Ärzte und Heilkundigen. In der Beschreibung der Kundalini, der mystischen Schlangenkraft, finden wir ein ähnliches Bild: die Schlangenkraft, die sich zweieinhalb mal um die Wirbelsäule wickelt. Die Kundalini ist unser Hauptenergiezentrum, das einerseits unser Menschsein überhaupt ermöglicht und andererseits, sofern die Kundalini wieder angeregt wird, unsere Heimkehr in das göttliche Reich einleitet.
Diese Kundalini oder Schlangenkraft kann in der Meditation erlebt werden. Teils sehr drastisch und intensiv, teils langsam und sanft, begleitet sie den Prozess der Realisation dessen, was wir sind. Bis dahin liegt sie schlafend in der Wurzel unserer Wirbelsäule und wartet auf ihre Erweckung.



Sonntag, 31. Mai 2020

Die ideale Gemeinschaft

Es vergeht kaum ein Jahrzehnt, in welchem die Gesellschaft ihre Werte, ihre Ziele und das Miteinander nicht kritisch gesehen werden. Aktuell ist der weltweite Umgang mit einer Krise wiederum ein Anlass, die Integrität der gesellschaftlichen Ordnungsebene in Frage zu stellen. Wohin man schaut, kann man Egomanen erkennen, die ihre eigenen Interesse verfolgen und nicht das Beste für die Allgemeinheit im Sinn haben. Das gilt nicht bloß für diese Krise, sondern auch für die Probleme, die vorher öffentlich angeprangert wurden, wie bspw. der Schutz unserer Lebenswelt.
Die Probleme sind nicht neu, erreichen aber ein bedenkliches globales Niveau und werden voraussichtlich in einem Kollaps der bisherigen politischen Strukturen enden, was sich jetzt bereits abzeichnet. Es bleibt zu bedenken: die menschliche Geschichte kann keine langfristigen, stabilen, wohlwollenden Gemeinschaften vorweisen.
So lebte der Mensch schon immer in Gemeinschaften, die auf unterschiedlichen Ebenen Schwierigkeiten mit sich bringen. Wir kennen nur vom Hörensagen oder aus Mythen ideale Gesellschaft. Die Menschheit kann scheinbar nur schwer friedlich miteinander umgehen.
Und entsprechend, da es ein urmenschliches Problem ist, kracht es auch in den kleineren sozialen Gefügen häufig im Gebälk - die Familie ist dafür wohl das klassischste Beispiel.
Die Mehrheit der Menschen wird sich, und das will ich hier gar nicht in Frage stellen, in ihren Gemeinschaften, ob gewählt oder geerbt, mehr oder weniger wohl fühlen. Wir arrangieren uns damit, dass es nicht immer optimal läuft und suchen Anschluss, je nach Interesse und Weltanschauung und mit unterschiedlichen Motiven. So dienen Gemeinschaften dem Zeitvertreib, der Zerstreuung oder z.B. beruflichen und gesellschaftlichen Vorteilen.
Wir wissen aus Erfahrung um unsere Probleme mit dem Miteinander und haben Strategien entwickelt, die Probleme mithilfe von Regeln und Institutionen zu lösen. Da ist die Justiz mit Legislative und Exekutive oder das simple Faustrecht mit dem vereinfachten Recht des Stärkeren. Heute hat jeder Kaninchenzüchterverein eine Satzung und ein Regelwerk, welche das Miteinander ordnen und Konflikte vermeiden sollen. In jeder Jugendherberge finden sich Hausregeln, welche dem blanken Vandalismus und der gelebten Rücksichtslosigkeit Einhalt gebieten sollen.
Letztlich, nach zehntausenden Jahren menschlicher Gesellschaften, muss man wohl zugeben, dass es keine politische Lösung gibt, um unser Zusammenleben zu harmonisieren und Kriege und Konflikte zu vermeiden. 
Im Kern liegen die Probleme, bricht man sie denn herunter auf menschliche Charakterzüge, immer in persönlicher Gier oder Angst begraben. Jedes Streben nach Macht (über andere) ist ein Ausdruck eines Strebens nach Sicherheit, welche aus Angst entsteht. Angst, zu kurz zu kommen; Angst, verloren zu gehen, zu verhungern, zu sterben; Angst nicht gehört, gesehen und geliebt zu werden... die Gier nach mehr ist nicht zuletzt auch ein Zeichen für den unstillbaren Durst nach etwas, dass wir im Innern suchen und in dieser Welt nicht finden können.

Die Lösung für die Gesamtheit kann somit nur in der Reifung des Einzelnen liegen. Das bloße Erkennen, dass wir mehr sind, als eine sterbliche Hülle, führt zu Sicherheit und Zufriedenheit; im Erkennen, dass wir im Kern unseres Selbst diese Welt - uns eingeschlossen – kreieren, ist ein liebevolles Miteinander ein selbstverständliches Handeln. Im Gegenschluss bedeutet das aber auch, zumindest vorerst, dass ein derartiges Miteinander wohl eine Utopie bleibt.

Dennoch sind vereinzelt Menschen auf diesem Weg und zugleich auf der Suche nach Anschluss. Die Auswahl ist diesbezüglich begrenzt und taucht in den vorherrschenden gesellschaftlichen Wertesystemen wohl nur als Subkultur auf.
Es braucht eine innere Reife als Voraussetzung für ein wohlwollendes Miteinander. Und ja, die Gemeinschaft von Menschen mit einem hohen Ziel ist erstrebenswert - aus vielerlei Gründen. Wir sprechen über Gemeinschaften, die danach trachten, sich jenseits menschlicher Wünsche und Verlangen (und damit Versuchung) zu bewegen. Welche sich die Entwicklung zum Ziel setzen innerhalb einer fruchtbaren Form der Begegnung.
Für eine Gruppe, welche sich Gott, Brahman oder dem spirituellen Selbst widmet, bedeutet ein gemeinsames Handeln eine Multiplikation von Kraft oder Shakti. Das ist spürbare, oft sehr starke Energie, welche die spirituelle Bemühung beflügelt und erleichtert, und die Bindung zwischen den Mitgliedern dieser Gruppe stärkt.
Die Energie, welche z.B. in einer Meditationsgruppe entstehen kann, die sich diesem Ziel hingibt, wirkt für die Beteiligten wie ein Katalysator. Idealerweise orientiert sich eine solche Gruppe an demjenigen, der in seiner Realisation am weitesten fortgeschritten ist - jemand, der bestimme Transformationen durchlaufen hat, reif dafür ist und weiß, wohin die Reise geht, ohne irgendwelche persönlichen Ziele zu verfolgen. Das ist nötig, damit das Zusammenkommen nicht für profane Zwecke missbraucht wird, wie es manchmal zu beobachten ist.
In einem Kloster kommt diese ordnende Vorbildfunktion immer einem Oberhaupt zu, was Vor- und Nachteile mit sich bringt. Die feste Organisation ist solange ein Vorteil, wie das Oberhaupt realisiert ist und die Ausrichtung rein hält. Es ist ungeheuer wichtig, dass die Ausrichtung hundertprozentig dem Zweck der tieferen Erkenntnis dient.
Deshalb ist es kein normales Miteinander, sondern eine exklusive, nicht alltägliche Oase in unserem sonst recht turbulenten Leben, die überdies nicht jedem offensteht. Nicht, weil es nicht erlaubt wäre, sondern weil es keine persönliche Entscheidungsebene gibt, die dies ermöglicht. Es ist schlicht für die meisten Menschen nicht von Interesse. Sie könnten sich nicht dafür entscheiden, weil es in ihrer individuellen Programmierung keine Option dafür gibt. Es braucht dafür das innere Streben nach Selbsterkenntnis und Transformation.
Auf dieses Ziel konzentrieren sich die Gruppen, über die wir hier sprechen, auch wenn unterschiedliche Begrifflichkeiten gewählt werden. Manche bauen an einem inneren Tempel, andere geben sich Gott hin, wieder andere heizen das Shakti und damit die Kundalini an, um die Realisation zu erreichen. Letztlich beflügeln viele Wege die transformatorische Kraft, welche die göttliche Natur offenbaren kann.
Ja, diese Gemeinschaften sind speziell und es kann auch innerhalb dieser Gruppen zu Schwierigkeiten kommen. Bereits profane Gespräche zwischen Menschen, die zu sehr gedanklich verhaftet sind, können dem intrinsischen Feld das Momentum rauben, welches sich in einer solchen Gruppe als transformatorische Kraft bilden kann. Jeder Einzelne wirkt durch seine Haltung und Ausrichtung mit. Das wichtigste Ziel im Leben sollte idealerweise die Realisation sein – das Erkennen von Gott, der Wahrheit, unserem spirituellen Kern. Nur dann kann sich der Erhalt der Gemeinschaft und das Wohlwollen untereinander jenseits einer übergestülpten Moral bewegen. Ethik und Moral sind anfällig, da sie ohne tiefere charakterliche Wurzeln, wie ein vertrocknetes Blatt im Wind, schnell ihren Halt verlieren.
Natürlich bleibt eine ideale Gemeinschaft nur ein Ideal. Das kann nach meiner Erfahrung ansatzweise in Zusammenkünften erreicht wird, in welchen die Ebene persönlicher Ziele und Wünsche durchbrochen wird und in welchen Liebe ein bedingungsloses Gut ist.
Den meisten von uns bleibt vorerst nur die Arbeit des Erkennen des Selbst und die Freude an den Menschen, die, mit welcher Methode auch immer, einen ähnlichen Lebensweg verfolgen. Die Welt an sich bleibt ein Spielplatz der Möglichkeiten und der Kontraste. Nach Murphys Gesetz: alles, was schief gehen kann, wird auch schief gehen.

Samstag, 23. Mai 2020

Lebenslanges Wachstum

Ein riesiger Vorteil, den ich auf einer menschlichen Ebene in der Spiritualität i.S. des Erkennens des Selbst sehe, ist die Möglichkeit des lebenslangen Wachstums, der ständigen Veränderung. Denn genauso wie das Altern (vgl. hierzu https://freieintuition.blogspot.com/2020/03/bewusstsein-und-altern-wie-kannst-du.html ) ist auch der Stillstand im Leben ein befremdlicher Zustand für das Bewusstsein. Was bleibt für eine Aussicht, wenn die Familie gegründet, alle Karriereleitern erklommen und alle Hobbys ausgelebt wurden? Zumal vieles an Glanz und Spannung einbüßt mit den Jahren. Kein Wunder, dass viele Menschen in eine Midlifecrisis schlittern und sich ein Stück der jugendlichen Aufregung zurückholen wollen.
In jungen Jahren ist alles neu und spannend, der berufliche Weg steht noch offen, die Ideale sind noch frisch und die Welt wartet geradezu auf das persönliche Erblühen in allen Lebensbereichen. Das kann eine sehr befriedigende Zeit sein und den Menschen beflügeln.
Ein paar Jahrzehnte später hat sich das meist drastisch relativiert und mit zunehmenden Alter kann die Welt plötzlich wieder ein sehr kleiner Ort werden. Die Jahre fliegen dann einem dann nur so um die Ohren, während die Möglichkeiten zu schwinden scheinen. Natürlich variiert das von Mensch zu Mensch – die Tendenz ist aber bei den meisten zu beobachten.

Es ist nicht verwunderlich, dass besonders ab Mitte vierzig viele Menschen anfangen zu suchen. Nicht jeder kauft sich einen Porsche und sucht nach einem neuen, erschreckend jungen Partner. Manche begeben sich auf die Suche nach einem tieferen Sinn, der im profanen Leben nicht so leicht zu finden ist. Es wird nach Heilung für die Wunden gesucht, die das Leben so mit sich bringt. Manch einer findet dabei in der Meditation eine tiefere Befriedigung.
Aber warum ist das so?
Zunächst einmal beruhigt sich in der Meditation der Geist. Das geschieht meist schon in den Übungen, die als Meditation verkauft werden aber letztlich nur Konzentrations- oder Kontemplationsübungen sind.
Die Gedanken und damit die aktiven Wunschgedanken werden erst einmal weniger. Wenn dies geschieht kann das natürliche, innewohnende Glück zum Vorschein treten. Überdies finden Veränderungen in der Persönlichkeit statt.
In der eigentlichen Meditation wird das tiefere Selbst schrittweise erkannt. Der Mensch erlebt dadurch eine entsprechende Transformation mit der das Umfeld oft gar nicht zurecht kommt. Viele Beziehungen zerbrechen, wenn der Mensch sich verändert bzw. seine Weltsicht nicht mehr mit denen seiner Mitmenschen übereinstimmt. Es folgen manchmal Phasen des Alleinseins, nicht zu verwechseln mit Einsamkeit(!), und neuen Bekanntschaften, die besser die eigene Perspektive nachvollziehen können.
Für mich war in diesem Prozess immer spannend zu sehen, wie beliebig plötzlich die sogenannten eigenen Meinungen zu allen möglichen Themen werden. Meinungen oder Ansichten verlieren an Konsistenz und werden wechselhaft, wie es normalerweise nur bei jungen Menschen der Fall ist. Das ist nichts schlechtes, da Meinungen extrem austauschbar und im Grunde bloß festgefahrene Gedanken sind. Das Gedankenleben versucht sich durch eine Meinung zu orientieren und die Persönlichkeit zu festigen. Erkennt der Meditierende, dass die Person lediglich ein weiteres Bündel an Vorstellungen ist, lösen sich diese Bindungen an Meinungen einfach auf.
Den normalen Geist wird hierbei vielleicht die Sorge an eine wachsende Profillosigkeit, ein ungehöriges Desinteresse oder furchtbares Phlegma beschleichen. Und ja, die Sicht auf das Leben und die Teilhabe daran ändern sich durchaus – aber nicht zum Schlechteren. Es kann nicht schlechter sein, wenn der Mensch ruhiger, netter und mitfühlender wird... aber das mag jeder anders sehen.
Es ist jedenfalls spannend, wenn man keine Ahnung hat, mit welchen Augen, aus welcher Perspektive man das Leben im nächsten Jahr sehen darf. Ich erkenne, was vor fünf Jahren an Gedanken und Zielen präsent war und wie sich das über die Jahre ständig verändert hat. In dem Wissen, dass der eigenen Natur eine unendliche Tiefe innewohnt, kann kein Stillstand stattfinden. Es ist lebendig und spannend, bis zum letzten Ausatmen und darüber hinaus.

Mittwoch, 13. Mai 2020

Bewusstsein, die Welt und die Frage nach einem erfolgreichen Leben

Der allgemeingültige, wissenschaftliche Ansatz zur Entstehung unserer Welt und unseres Bewusstseins proklamiert eine relativ klare Reihenfolge: in einer Art Urknall entstand das Universum, darin die Sterne und Planeten; auf dem Planeten entstand Leben; im komplexen Leben entstand dann letzter Instanz Bewusstsein (im Gehirn bzw. Nervensystem).
Von der Materie zum Bewusstsein: auf diese gelernte Weise nimmt der Mensch seine Position im Universum wahr: ein winziges verlorenes Lebewesen in einem unendlichen Universum - Leben ohne wirklichen Einfluss.

Diese materielle Sichtweise existiert rein gedanklich als wissenschaftliche Erkenntnis – sie hat nichts mit einer direkten Erfahrung zu tun. Sie ist auch nicht unumstritten: so gab und gibt es immer wieder Wissenschaftler, wie der Physiker John Wheeler oder auch Stephen Hawking, welche das Bewusstsein als Faktor für die Beschaffenheit des Universums berücksichtigen wollten.
Aus wissenschaftlicher Sicht kann und will ich das auch gar nicht beurteilen, was die Quantenphysik für theoretische Blüten treibt und wie diese wissenschaftlich diskutiert aber auch esoterisch missbraucht werden, um wilde Theorien zu stützen.
Ich kann an dieser Stelle nur berichten, wie sich der Blick auf die Welt ändert, wenn man täglich meditiert. Es ist eine klare und direkte Erfahrung, dass es keine Trennung zwischen Bewusstsein und Welt gibt. Als untrennbarer Teil der Erscheinungswelt erscheinen im Bewusstsein sowohl Geist und Körper, als Gedanke, Emotion, Empfindung... Die Welt wird zu einer direkten und unpersönlichen Erfahrung, weil die sogenannte Persönlichkeit in ihre Bestandteile zerlegt und nicht mehr durch Gedanken, Erinnerungen und Assoziationen zusammengesetzt wird. Diese existieren als lose Einzelteile im Erfahrungsraum des ICH BIN, dem Bewusstsein, aus welchem die Aufmerksamkeit entspringt, welche die Erfahrung überhaupt ermöglicht. Das Bewusstsein wird dabei zur Matrize für die Welt und alles was erscheint, d.h. die Welt existiert, anders als im materiellen Weltbild, ausschließlich innerhalb des Bewusstseins.

Auf eine meditative Weise die Welt zu erfahren, ist eine höchst natürliche Erfahrung, die dennoch nichts mit der erlernten menschlichen Wahrnehmung zu tun hat.
Ich gebe gerne ein Beispiel. Gestern habe ich eine kleine Wandermeditation gemacht. Man wandert dabei vorzugsweise durch die Natur und befindet sich dabei in einem meditativen Zustand. Es wird lediglich bemerkt, wie alles geschieht: das Laufen, Sehen, Hören, Empfinden... Alles findet statt, ohne das sich die Aufmerksamkeit darin verliert – diese ruht in ihrer Quelle. Losgelöst von den empfundenen Beschränkungen verändert sich die Welt dramatisch. Die Farben intensivieren sich, das Grün der Bäume wird leuchtend, das Vogelzwitschern ist intensiver, die Welt erscheint wabernd, wie in einem Traum...
Es ist als direkte Erfahrung spürbar, dass in der Kreation dieser Erscheinungswelt, nichts als Freude und Liebe steckt. Nichts, was darin passiert ist so real, wie wir Glauben mögen, aber es ist eine kraftvolle Erscheinung, die wir mithilfe eines Vehikels aus dieser Erfahrungswelt begreifen dürfen. Der Körper wird plötzlich als Geschenk wahrgenommen, wie ein U-Boot, welches uns erlaubt, zum ersten Mal die Tiefsee zu erleben.
Mit der Aufmerksamkeit im Bewusstsein ruhend, wird deutlich, dass wir als Vehikel einerseits ein Teil dieser Erscheinungswelt sind, aber niemals von dieser Welt sein können.

Da kann es keinen Wunsch mehr geben, irgendetwas in dieser Welt verändern zu wollen. Wer sollte so etwas tun? Und warum? Die Ursache für ein Warum ist ein Gedanke, eine fixe Idee, die irgendwelche Hoffnungen nährt. Dabei ist alles in dieser Welt derart, wie es das Bewusstsein ausspielt. Unendliche Variationen des Lebens, der Lebenserfahrungen – das gesamte Spektrum von möglichen Erfahrungen wird aus unendlich vielen Perspektiven erlebt. Ganz gleich, ob diese als schön oder hässlich wahrgenommen werden. Als Teil davon sind wir eine dieser unendlich vielen Perspektiven, jedoch immer mit der Wahl, einen Schritt zurück zu treten und das Spiel als solches und unsere wahre Natur zu erkennen.

Bleiben wir aber auf der Ebene des menschlichen Spiels. Menschen interpretieren ihr Leben und alles, was um sie herum geschieht. Ohne Interpretation wären wir gar nicht in der Lage zu glauben, dass wir ein getrenntes menschliches Wesen sind. Wir summieren im Geist die Einzelteile, bestehend aus Erinnerungen, Wahrnehmungen, Gedanken und formen daraus eine Person und eine Welt. Die Illusion wird im Geiste perfekt.
Wir interpretieren die Welt aber überdies in nutzlose Kategorien, wie Erfolg oder Misserfolg, gut oder schlecht, und versuchen selbst auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen. Während das Leben als Person schon Leid verursacht, schaffen diese Kategorien noch größeres Leid.
Dabei wird nicht gesehen, dass wir mit oder ohne Urteil handeln werden, wie es die Natur von Körper und Psyche gebietet. Körper und Geist ändern sich durch Ereignisse im Leben – je dramatischer die Erfahrung, desto einschneidender die Veränderung an Körper und Geist. Ein Trauma kann beispielsweise die Lebensweise drastisch ändern.
Während einer Wandermediation, ohne direkten Bezug zu einer Person, läuft der Körper von selbst, wie er es gewohnt ist. Wir grüßen Menschen, die uns begegnen, ohne einen Gedanken daran zu verlieren. Es wird automatisch auf sämtliche einströmenden Reize reagiert. Körper und Psyche funktionieren so, wie sie durch die Ereignisse programmiert wurden - wie ein Automat und daran ist nichts seltsam.
Das bedeutet, wenn der Mensch z.B. in dieser Welt unter einer Form von Misserfolg leidet und die Entscheidung in der Psyche getroffen wird, sich Hilfe zu holen, dann ist diese Entscheidung eine Folge der psychischen Prägung. Je nach Prägung wird ein Motivationscoach bevorzugt oder aber ein Psychologe oder ein Astrologe, je nach Erfahrungshintergrund bzw. Programmierung.
Daraus kann Erfolg oder aber weiterhin kein Erfolg im Leben resultieren. Wer ist dafür verantwortlich? Ist es der Mensch, der den Gedanken an Hilfe hatte und dann entweder die erhaltenen Ratschläge umsetzen oder nicht umsetzen konnte, verantwortlich für den Erfolg oder Misserfolg?
Was ist der Mensch? Auf welche psychische Grundlage fällt ein Gedanke? Wer bestimmt die Ereignisse in dieser Welt? Wer entscheidet?

Für den menschlichen Geist klingen Ansätze von eingeschränkter menschlicher Entscheidungsfreiheit fatalistisch. Der Mensch in seinem Bestreben, sich zu erhalten, zu schützen und erfolgreich zu sein, wird seine Existenz als Person nicht in Frage stellen, auch wenn es dauerhaftes Leid bedeutet. Der Geist strebt immer nach Selbsterhalt und akzeptiert dabei die größten Leiden aus Liebe zu sich selbst.
Es kann aber nicht fatalistisch sein, wenn wir die Illusion an eine Person verlieren, weil wir erkennen, was da aus unseren Augen schaut. Wenn wir erkennen, das in unserem eigenen Bewusstsein alles entsteht. Dass wir selbst im Anfang von allem ruhen. Welchem fatalistisch anmutenden Schicksal könnten wir dann ausgeliefert sein?

Das eröffnet die Frage ob es Auswirkungen auf die Erfahrungswelt hat, wenn wir unsere Natur erkennen? Ändert sich etwas?
Natürlich tut es das - spätestens, wenn es keine Rolle mehr spielt. Veränderungen innerhalb der Erfahrungswelt geschehen in einem individuellen zeitlichen Rahmen. Wenn wir z.B. unsere Ängste nach und nach verlieren (vgl. hierzu https://freieintuition.blogspot.com/2020/03/spiritualitattraurigkeit-und-depression.html ), dann ändert sich auch unser Verhalten. Erkennen wir mehr die Schönheit des Lebens, ändert sich nach und nach unsere gesamte Erfahrungswelt. Das hat aber nicht unbedingt etwas mit unseren ursprünglichen Vorstellungen von einem erfolgreichen, schönen Leben zu tun, die unser Gedankenleben so produziert. Es gibt Menschen, die sitzen im Gefängnis, erkennen ihre Natur und leben fortan glücklich in ihrer Zelle. Und das war sicherlich nicht ihre ursprüngliche Idee von Erfolg.

Der Ansatz ist hier natürlich an anderer als bei jemandem, der einen Therapeuten aufsucht, um nach bestimmten Maßstäben sein Leben zu verbessern. Ganz gleich, welche Therapien eingesetzt werden: sie sind immer Bestandteil dieser Erfahrungswelt und damit Teil dieser Illusion. Das, was diese Illusion kreiert, kreiert eine unendliche Zahl an Möglichkeiten, dazu zählen erfolgreiche Therapien, Rückfälle, unerwartete Ereignisse etc.
Im Erkennen dessen hingegen, dass wir vollständig und im Frieden sind, entfällt der Wunsch nach Verbesserung. Auch, wenn dieser Prozess dauern kann, ist er von erheblicher Tragweite für diese Realitätsebene. Akzeptanz, die niemanden braucht, um gelebt zu werden, nimmt jede Erfahrung, einfach, wie sie ist, da nicht unterschieden und geurteilt werden muss. Es wird erkannt, dass der Frieden, der immer da ist, keine Bedingung braucht, um gelebt zu werden.

Dienstag, 12. Mai 2020

Jeder Moment

Erlebe den Tag, als ob es Dein erster wäre
Frisches Leben, im Augenblick kreiert
Neu in jedem zeitlosen Moment

Kein fahler Gedanke
Keine Erinnerung an ein Gestern
Kein Interesse an einem Morgen

Hier, ganz und absolut, entsteht alles in einem Rauschen von Göttlichkeit
Vor jedem Problem
Vor jedem Schmerz
Bevor das Ich ein Du erkennt
Ist bloß Schönheit und Glanz!

Dienstag, 5. Mai 2020

Schläfer mit offenen Augen

Die Krise definiert unsere Gesellschaft neu, raubt hinterrücks Rechte und führt Auflagen in Form von Gesetzen ein, welche unvorbereitete, angstfreie und demokratieliebende Menschen sehr stutzig werden lässt. Die Krise ist dabei in erster Linie kein ominöses Virus – davon hat die Menschheit schon unzählige und schlimmere erlebt und überlebt - sondern schlicht profane Machtgeilheit, welche am liebsten mit ihrer armleuchtenden Schwester, der ´totalen Kontrolle´ daherkommt.
Umso wichtiger ist es, sich jetzt nicht in die Angst zu flüchten und überrennen zu lassen. Der Schläfer, der mit offenen aber blinden Augen durch die Welt geht, kann der Angst nicht entkommen und ebenso wenig der Sorge vor möglichen Konsequenzen. Er muss sämtliche Register zum Selbstschutz ziehen und blind vor Angst handeln.
Entscheide niemals ängstlich und von Sorgen beladen. Es kann nichts Gutes dabei herauskommen - die Saat bestimmt die Ernte. Erkenne die immerwährende Schönheit und bade in ihr. Das ist der sichere Stand, aus dem heraus ein guter Schritt in die richtige Richtung getan werden kann. Auf diese Weise handelst du auch nicht frustriert und aggressiv, sondern aus Liebe zum Sein.
So wird die Krise zur Chance: zur Chance auf Freiheit und Erkennen. Gib den Gefühlen und den Sorgen den Raum, den sie wirklich brauchen. Schaue genau, wer es ist, der sie erkennt. Dieses Erkennen schafft den Raum, damit alles was aufsteigt auch tatsächlich frei werden kann im unendlichen Raum des Seins. Was bleibt ist Sehen, Hören, Spüren... vereint in der reinen Existenz, die du bist.
Auf diese Weise ist keine Macht der Welt in der Lage, dich zu beschränken, weil keine Macht von dieser Welt an das reicht, was du schon immer warst. Du gehst mit offenen Augen durch diese Realität, handelst frei und scheust keine Konsequenzen.

Samstag, 2. Mai 2020

Extreme meditating...

Nicht immer legt das Leben die scheinbar idealen Bedingungen zum Meditieren bereit. Muss es auch nicht. Es gibt keine schlechten Bedingungen zum Meditieren. Entsprechend kann ich keine Ausreden gelten lassen. Und davon hört man viele.
In meinem Leben gibt es mitunder Phasen, in denen ich körperlich unglaublich müde bin. Ich kann dann nicht im Sitzen meditieren, weil ich ansonsten einschlafen würde. Ich packe mir dann einige Kissen in den Rücken und unter den Kopf und meditiere in einer halb liegenden Position. Das entlastet den Körper und lässt mich einen meditativen Zustand geradewegs am Rande zum Einschlafen einnehmen. Obwohl der Schlaf nicht zustande kommt, ist der Körper nach einer einstündigen Meditation erholter.
Es gab auch Zeiten, in denen ich kaum Ruhe bekomme und ständig Lärm um mich war. Ich habe schon meditiert, als jemand auf mich einbrüllte, monatelang eine Baustelle vor meinem Fenster war oder die sogenannte Existenz auf dem Spiel stand.
Es gibt keine Ausreden. Es gibt nur Chancen, zu prüfen, was uns zu hindern scheint. Aber was soll uns hindern zu sein, was wir sind?
Wenn du glaubst, dich über die Bedingungen aufregen zu müssen, seien sie nun, wie beschrieben, äußerlicher oder aber innerlicher Natur, dann spielt das keine Rolle. Meditation ist ein natürlicher Zustand in welchem die Aufmerksamkeit in sich selbst ruht. Was passiert also, wenn wir die Aufmerksamkeit von allem (wirklich allem!) nehmen, was erscheint? Ob nun innerlich als Gefühl oder Gedanke oder äußerlich als Lärm oder dauerquasselnder Mensch, der auf dich einredet.
Egal, was erscheint oder was du mit Worten beschreiben kannst – lege kein Aufmerksamkeit darauf und belasse diese in ihrer Quelle. Das ist eine Übung, die dauerhaft gelebt werden kann. Keine Angst, alles kann dabei wie immer geschehen. Der Körper und der Geist bilden einen beschränkten Automaten, der handelt, wie er halt handeln muss. Das heißt, du kannst, wie gewohnt, dummes Zeug erzählen, und die Aufmerksamkeit ruht trotzdem im SEIN. Dir wird höchstens bewusst, dass du nicht die Person bist, sondern diese in dir stattfindet. Das ist höchst amüsant. Aber lass dann auch das fallen und bleibe in der Stille, die ganz natürlich mehr Raum einnimmt. Sie ist deine wahre Natur und dabei unbeschreiblich.
Du meinst, es gelingt dir nicht, die Aufmerksamkeit in sich selbst ruhen zu lassen? Dann beobachte den Ärger und die Frustration, die aufsteigen und frage, wer dies wahrnimmt.
Und ja, es ist eine schlechte Angewohnheit zum Beispiel ständig den Gedanken folgen zu müssen. Das ist lästig wie jede andere Sucht. Überaktives Denken ist etwas, zu dem wir erzogen werden und das als wertvolles Gut angesehen wird. Überaktive Gedanken sind aber wie Brechdurchfall – sie machen nicht wirklich Freude, sondern erzeugen Leid.
Der Aufmerksamkeit zu gestatten, in sich zu ruhen, braucht Zeit und Geduld und vor allem die Gnade der Bereitschaft.
Wer einmal ernsthaft meditiert hat und diesen unermesslichen Frieden, der wir alle sind, nur ein wenig gespürt hat, der wird diesen Weg gehen. Solange die Meditation aber Mühe bedeutet und zu einem Lebensstil gehört, wurde der erste Schritt nicht einmal begonnen.
Meditation kann keine Mühe sein, sie ist auch nicht Konzentration – sie ist gar keine Handlung. Sie ist die reine Untätigkeit, die ultimative Entspannung. Sie bedeutet, zunächst einmal im reinsten Sein zu ruhen, bevor überhaupt jemand auftauchen könnte, der aktiv wäre. ICH BIN ist die Grundlage der Existenz, bevor die Welt oder die Person darin auftauchen kann. Dieses Empfinden für Existenz begleitet uns ständig. Es braucht keinen Gedanken, um auf die Frage zu antworten, ob es mich gibt. In diesem Empfinden für Existenz, der ersten Realisation für das SEIN, kannst du ruhen, was auch immer in der Welt, die in diesem SEIN erscheint, auch immer geschehen mag.
Also, extreme meditating statt extreme thinking... leg los!

Dienstag, 21. April 2020

Meditation 4 Stille und Gedanken

Die Zeit

Ein Baumeister, einst stark und geschickt
Seiner Zeit voraus, mit Gaben bestückt
War ein großes Talent auf seinem Gebiet
Begnadet, begünstigt und von Gott geliebt

Sein halbes Leben war er ein Meister
Reichtum und Frauen, er lebte immer feister
Er schaffte gerne, viel und schnell
Sein Licht brannte überaus klar und hell

Ging es ums Bauen und Errichten, machte ihm keiner was vor
Manch Lehrling in Ehrfurcht ewige Treue ihm schwor
Auf seinem Gebiet war er äußerst weise
Nicht bescheiden, nicht schüchtern, war niemals leise

Nichts brachte seinen Ehrgeiz ins Wanken
Nichts wies seinen Stolz in Schranken
Reichtum und Anerkennung in großer Fülle
Prächtiges Leben in Harmonie und Idylle

Aber beständig wie ein Fluss, so verrann die Zeit
Nagte langsam an Körper, Gesundheit und Geist
Da lässt sich nicht feilschen, nichts ändern, nichts drehen,
Die Zeit, als sturer Verwalter, bleibt einfach nicht stehen

Nichts was je erschaffen und geboren
Geht nicht in Zeit und Raum verloren
Versuch dich zu winden und zu widerstehen
Du stolzer Baumeister wirst in ihr untergehen

Den Wandel der Zeit will nicht jeder verstehen
Den schwindenden Ruhm nicht gerne einsehen
Unser Verbleiben auf Erden ist nun mal beschränkt
Anerkennung und Talent nur auf Zeit geschenkt

Immer erneut wiederholt sich die Geschichte
Immer wieder halten sich die Gerüchte
Wir könnten verändern den Lauf der Zeit
Zum Vergehen und Sterben scheinen wir niemals bereit

Die Lösung liegt dabei doch auf der Hand
Ob Baumeister, König oder weniger bekannt
Erkenne in dir, was sich nicht verändern wird
Denn die Wahrheit, außerhalb der Zeit, sicher niemals stirbt

Samstag, 18. April 2020

Nicht sein oder gar nicht sein – Tiefschlaf, das „Ich bin“ und die Welten

Die Freiheit, nicht sein zu müssen, sondern lediglich zu dürfen, ist die schönste Befreiung von der Schwere des Lebens. Jede Nacht werden wir daran erinnert und fallen in einen süßen Tiefschlaf, einen Nicht-Zustand, der Abwesenheit von jedem Dasein. Das ist keine unangenehme Zeit. Die Zeit, in der wir nicht sind, ist, im Gegenteil, lebensnotwendig. Es ist reiner Genuß, nicht da sein zu müssen und es ist scheinbar ein Lebenselixier für Körper und Geist.
Die Person verschwindet in der Befreiung und wir werden jede Nacht daran erinnert, wie gut sich das anfühlt. Ein wichtiger Hinweis ist, dass wir ohne Tiefschlaf als Mensch gar nicht überleben können. So anstrengend und fordernd ist der sogenannte Wachzustand, die Zeit der Identifikation und des Dramas. Aber bevor wir aufwachen, kreiert unser Bewusstsein eine Phase des Träumens. Auch in dieser Traumzeit sind wir oft nicht die gleiche Person mit dem gleichen Leben und der gleichen Familie, die wir vom Wachzustand gewohnt sind. Manchmal spielen wir eine jüngere Version oder eine andere Person, haben neue Freunde oder eine andere Liebschaft. Und das alles fühlt sich völlig normal an, vielleicht aufregend aber nicht ungewohnt. So schnell und so oft legt unser Bewusstsein jede Nacht ein neues Kleid an, dass es eigentlich nachdenklich machen müsste.

Die Tatsache, dass unsere tägliche Identifikation mit der Person im Spiegel nur ein dünnes Brett ist, wird aber einfach so hingenommen. Es war halt nur ein Traum. Dabei wird übersehen, dass die Empfindung von „Ich“ völlig präsent ist: wir beobachten und handeln und sind uns dessen bewusst. Wir erinnern uns sogar oft an die Ereignisse, wenn wir aufwachen. D.h. sämtliche Funktionen unser Tagesbewusstseins funktionieren in der alternativen Traumwelt. Dass dieses „Ich“ problemlos tausende Varianten des Lebens spielt, ohne dabei mit der Wimper zu zucken, sollte durchaus Beachtung finden. Es ist ein wichtiger Hinweis auf die Natur unseres „Ichs“ und darauf, dass unser sogenanntes Leben nur auf äußerst dünnem Eis steht. Selbst unsere Erinnerungen sind im Tiefschlaf vollständig und im Traum oft zu großen Teilen ausgelöscht. Die kurze Existenz des Traumlebens wird als als vollständige Welt und was wir sind akzeptiert.
Was macht unser Leben sonst aus? Innerhalb von 24 Stunden verlieren wir immer wieder unsere Identität, unsere Welt, unsere Erinnerungen und sogar unser Bewusstsein. Das einzige, was unsere Traumwelt von der Wachwelt unterscheidet, scheint das wiederholte (tägliche) Auftauchen der Wachwelt zu sein. Aber ist das wirklich so? Oder trügen uns die unzuverlässige Erinnerung und unsere wechselhaft Wahrnehmung vielleicht? Wer hinterfragt seine Existenz mit der Begründung, dass unsere Welt keine 24 Stunden konstant ist?
Wer den Versuch startet, einfach länger wach zu bleiben, der bekommt nach wenigen Tagen Probleme mit seiner Wahrnehmung, seinem Erinnerungsvermögen und wird die normalerweise solide Umwelt als verschwommen und brüchig wahrnehmen. Wir können diese Realität nicht einmal für ein paar Tage festhalten, auch nicht mit den größten Anstrengungen. Das gleiche gilt natürlich auch für den Traum und den Tiefschlaf.
Jede dieser drei Welten und Daseinsformen hat ihre Berechtigung und sorgt für ein Gleichgewicht, dessen tieferer Sinn uns zunächst nicht erschließen mag. Es ist aber ein Hinweis darin enthalten. Erkennen wir das gemeinsame Element in allen drei Welten, dann erkennen wir die Konstante, die wir im Kern sind.
Der Zustand des Tiefschlafs ist dabei die natürlichste Form unseres Seins. Sie scheint zeit- und raumlos, ohne Erinnerung und ohne Wahrnehmung. Ohne die Elemente, die sich ansonsten immer wieder verändern.
Wir erkennen: das Leben ist Veränderung. Dem zugrunde liegt aber ein gleichmäßiges tiefes Summen aus dem alles entsteht – Synonym dafür ist der Zustand in dem sich unser Bewusstsein im Tiefschlaf befindet. Das reine Bewusstsein kontrahiert sich im regelmäßigen Rhythmus zu einem „Ich bin“ und analog dazu entstehen urplötzlich die Welten. Welten ohne wahre Substanz, die nur bestehen, weil die erste Form der Identität - das „Ich bin“ - existiert. Dem allen liegt das zugrunde, was sich nicht beschreiben lässt. Es lässt sich noch weniger beschreiben, als wir den Tiefschlaf begreifen und erleben können. Und dennoch sind wir es die ganze Zeit, ohne Unterbrechung, in allen drei Bewusstseinszuständen.

Montag, 13. April 2020

Meditation 3 - Ängste und Traurigkeit


Innere Freiheit, empfundene Freiheit, wahre Freiheit

Der Freiheitsgedanke beschäftigt zur Zeit viele Menschen. Wie kann ich frei sein, wenn ich kontrolliert werde und mich nicht bewegen kann, wie ich möchte?
Freiheit hat dabei mit der Option zu tun, etwas tun zu können, wann, wie und wo ich es will. Und das kann frustrierend sein, wenn einem aufgezwungen wird, seinen Lebensraum zu verkleinern, selbst, wenn dies zu einem angeblich guten Zweck geschieht.
Die an äußerliche Gegebenheiten gebundene Form der Freiheit hat immer ihre Grenzen. Sie ist zudem an Vorstellungen gebunden und damit auch an die Akzeptanz, bestimmte Freiheiten niemals leben zu können. Jedes Leben hat seine Grenzen und Beschränkungen. Das ist einfach die Realität der physischen Existenz. Das menschliche Leben ist räumlich und zeitlich beschränkt. Wir machen uns nur nicht immer über diese Beschränkungen Gedanken. Mit 30 machen wir uns keine Gedanken darüber, dass wir in wenigen Jahrzehnten bestimmte Aktivitäten nicht mehr machen können. Es würde auch keinen Sinn machen, solche Gedanken zu verfolgen.
Auch, wenn es uns nicht bewusst ist: wir akzeptieren diese Beschränkungen und leben damit. Nur ein überaktiver Verstand würde gegen diese natürlichen Limitierungen ankämpfen.
Eine wie auch immer konstruierte Beschränkung - unser ohnehin schon limitierten Freiheit - wirkt dabei aber ungleich schwerer. Im Namen der Angst und scheinbarer Solidarität wird sie im Augenblick hingenommen, denn wir sind es aufgrund unserer Programmierung gewohnt, uns bei drohender Gefahr zurückzuziehen und Schutz zu suchen.
Dieses Programm ist jedoch nicht auf eine längere Zeit ausgelegt. Es ist wider unserer Natur, den Status der Bedrohung so lange aufrecht zu halten. Der Gedanke, eingesperrt zu sein, unfrei zu leben und eine ständige, unsichtbare, potentielle Bedrohung im Nacken zu spüren (wenn man dies denn glaubt) kann unglücklich und krank machen. Wenn man ehrlich ist und den Gedanken verfolgt, kann das Leben in jeder Sekunde enden. Jedes Jahr sterben alleine in Deutschland knapp 900 Tausend Menschen, davon 100-200 Tausend am plötzlichen Herztod. Sich gedanklich mit diesen scheinbaren Bedrohungen zu befassen, macht unfrei und begrenzt unser Dasein enorm.
Wer sich mit seiner wahren Natur befasst, kann diese Ängste und Begrenzungen leichter durchbrechen. Sämtliche Limitierungen heben sich in dem Moment auf, wenn die Aufmerksamkeit ihren Ursprung berührt. Wir sind dann unberührt von Problemen und es gibt keine Beschränkungen. Schwere und Angst lösen sich in unserem natürlichen Dasein auf. Dadurch können wir freier handeln und natürlicher entscheiden, was für uns gut ist und was nicht. Wahre Freiheit kann sich etablieren und uns bewusst werden. Es geht dann nicht mehr darum, möglichst weit zu reisen und viel zu erleben.
Das Entdecken des eigenen Seins ist wie das Öffnen einer Tür in die Unendlichkeit. Es braucht unendlich viel Zeit, diese innere Welt, die auch in das sogenannte Außen strahlt auszuloten.
Wenn du deine Augen wirklich öffnest und dabei deine Aufmerksamkeit nach innen richtest, siehst du nur noch das Selbst – das,was du bist. Dann existiert nicht anderes mehr. Was du siehst, wird durchbrochen von dem Licht, das du bist. Wohin kannst du dann noch reisen? Was kann dich dann noch glücklicher machen? Das ist wahre Freiheit.

Dienstag, 7. April 2020

Lass die Angst los...

Angst hat eine klare Berechtigung in unserer menschlichen Existenz. Sie stellt im Falle einer konkreten Gefahr die nötigen physischen Mechanismen und chemischen Reaktionen bereit, welche wir brauchen, um dieser Gefahr zu entkommen. Ist die Gefahr jedoch nicht konkret, sondern hypothetisch, dann ist die Angst eher lähmend und schadet unserer Gesundheit.

So viel in drei Sätzen zu dem, was ohnehin schon allgemein hinreichend bekannt ist und was dennoch in den Leben vieler Menschen kaum Beachtung findet.
Und mir ist auch klar, warum das so ist. Warum die Angst toleriert wird und darüber hinaus auch noch den Gedanken vertraut wird, die analog zur Angst entstehen. In der augenblicklichen Situation wird es umso schwerer für ohnehin schon ängstliche Menschen. Die Gefahr lauert jetzt empfunden überall.
Die Medien verbreiten das Bild einer gefährlichen Krise. Ganz gleich, ob dieses Bild gerechtfertigt ist oder nicht. Die Angst, welche bewusst provoziert wird, macht die Menschen krank. Es ist für viele ein dauerhafter Stress, ausgelöst durch die Sorge um die Gesundheit der Angehörigen, der Sorge um den Job oder ob es morgen noch Lebensmittel im Supermarkt gibt.
Angst war schon immer ein Verkaufsschlager. Und auch jetzt wird gehortet, gehamstert, abgesichert und sich informiert, was das Zeug hält. Für die wenigsten ist dabei die Gefahr real greifbar. Der unsichtbare Feind, von dem man nicht weiß, wann er an die Tür klopft, ist viel schlimmer, als der Löwe der plötzlich aus dem Busch springt. Unser Organismus ist für nicht konkrete Gefahren nicht gemacht. Und ich denke, dass viele sogenannte Zivilisationskrankheiten genau da ihren Ursprung oder wenigstens einen großen Verstärker haben.
In meinen Augen hat die Angst vor dem Unbekannten noch einen schlimmeren Effekt. Sie macht es unmöglich, sich für die Qualitäten zu öffnen, welche das Leben lebenswert und schön machen. Sie macht es unmöglich zu erkennen, dass wir mehr sind als das, was uns im Spiegel entgegen blickt. Diese Angst nimmt uns unser Geburtsrecht zu erkennen, was wir sind und immer sein werden.

Ich habe mich in den letzten Wochen recht intensiv mit dieser Krise befasst und mir die schlimmsten Szenarien angehört, die auf verschiedenen Seiten gezeichnet werden. Das war schon im Ansatz nicht leicht, da uns immer bloß eine Seite verkauft werden soll. Das beunruhigendste für mich persönlich, ist die Zensur und die Diffamierung nicht regierungskonformer Aussagen. Als jemand, der demokratische Grundsätze immer für selbstverständlich hielt, ist das die ernüchterndste Erkenntnis.
Es ist letztlich im Umgang mit der Krise aber egal, ob die Angst eher von den potentiellen Gefahren einer Erkrankung oder von demokratiefeindlichen Bewegungen herrührt. Es ist einfach wichtig, mit dem Gefühl aufkommender Angst umzugehen und sich von korrespondierenden Gedanken zu emanzipieren.
Das soll verhindert werden und dagegen muss etwas getan werden. Denn es ist leicht an der Rhetorik und Häufigkeit bestimmter Artikel in den meisten Medien zu erkennen, dass die Absicht besteht, Angst zu säen. Sachliche Informationen lesen sich anders. Wie aber soll mit Angst im Bauch verantwortungsvoll und klaren Geistes gehandelt werden?
Unter dem lähmenden Einfluss von Angst folgen die Menschen viel leichter den teils harschen Auflagen, die nun in den meisten Ländern aktiv werden. Ängstliche Menschen nehmen einen möglichst radikalen Lockdown und den Tod kleiner und mittlerer Betriebe viel leichter hin bzw. unterstützen die Maßnahmen sogar. Es wird nicht mehr nachgedacht sondern nur noch nach Beruhigung gesucht – nach etwas, das die Sorge vor den möglichen Folgen des viel beschriebenen Virus nimmt.
Die Geschichte zeigt uns, dass solche Szenarien ganz schnell eskalieren und die bestehenden Regeln zugunsten radikaler Tendenzen auflösen können.
Deshalb gilt es besonders jetzt, das Bewusstsein beständig zu schulen und sich nicht klein zu machen und vor Angst zu kuschen. Fühlt die Angst im Körper, lokalisiert sie, macht eure Gedanken frei und verbleibt wertfrei mit dem Gefühl, welches die Angst in eurem Körper auslöst. Das ist eine einfache Übung. Sofern ihr sie beständig und richtig ausführt, kann keine Angst der Welt auf Dauer standhalten. Dann kann man die Welt wieder mit klaren Augen sehen und das z.T. seltsame Spiel erkennen, das mit uns getrieben wird.

Sonntag, 5. April 2020

Der Wahnsinn

Der Wahnsinn regiert mal wieder
Geschichte wiederholt sich unentwegt
Der Schein der Freiheit genügt nicht mehr
Es muss die harsche Kontrolle sein

Angst wird zum Ordnungshüter
Kreiert den unsichtbaren Feind
Eine schlechte Inszenierung wird zum Kassenschlager
Lässt Anspruch, Gewissen und Menschenverstand verstummen

Eine Seite des Journalismus
Eine Meinung in einer verrückten Welt
Eine Hand wäscht keine zweite mehr
Und kämpft unbemerkt mit offenen Visier

Wohin gehen, wenn alle Wege im Morast versinken?
Was tun, wenn Diktatur das neue Credo ist?
Die Inszenierung bleibt ein Spiel
Millionen Farben auf einer unberührten Leinwand

Die Illusion berührt weder dich noch mich
Das bleibt zu erkennen im Wechsel der Szenen
Schönheit bricht den seltsamen Film
Die Risse offenbaren die Wahrheit in allem

Mittwoch, 1. April 2020


Der Frosch

Der kleine Frosch wollte keine Fliegen mehr essen
Ihm war nur noch nach Pizza und Pasta, seit er die halbleeren Schachteln fand
Unbekannte leckere Speisen, die eines Tages an seinem Teich herumlagen
Er wusste nicht, was er da aß, aber es schmeckte so viel besser und es roch nach Abenteuer

Er konnte keiner geselligen Froschrunde mehr beiwohnen
Alles wirkte bieder und klein
Die dargebotenen Insekten beleidigten seinen Gaumen
Ungebildete Frösche parlierten über fleischige Fliegen
Es zog ihn in die weite Welt, raus aus dem Teich und der kleinkarierten Gesellschaft

Keine Anstrengung konnte zu groß sein
Nichts war größer als der Traum von einem anspruchsvolleren Leben
Die Sehnsucht nach der Fremde und nach Erfüllung gaben ihm Kraft
„Wer groß träumt kann alles erreichen.“, lehrte ihn einst ein alter Lurch

Er verabschiedete sich von seinem Teich, seinen alten Freunden
Das Feuer des Mutes loderte in seiner Brust
Hoch hüpfte er dem Abenteuer entgegen
Nichts konnte ihn aufhalten

Er kam bis zur kleinen Strasse hinter dem Garten am Teich
Ein Mofa plättete unbemerkt seine Abenteuerlust
Der Mut erstarb in seiner Brust, der letzte Gedanke galt der verlassenen Heimat
Was hat ihn so getäuscht und verraten?

Kein Frosch dachte je so weit und war so mutig
Seine Träume sprengten seine Welt und seine Ideale
Und die ach so süße Froschwelt wurde im Kopf zu klein
Hättest du deinen Gedanken bloß nie blind Glauben geschenkt, kleiner Frosch.
Alles bleibt wie es sich immer verändert hat

Gestern haben wir noch geschnieft und gehustet
Pflichtbewusst wurden Kolonien von Viren schnupfnasig zur Arbeit getragen
Desinfektionsmittel wurden standhaft gemieden
Und der Seifenspender war immer voll!

Jetzt werden Briefe mit langen, geseiften Armen durch Türschlitze gereicht
Und alarmiert wird der Kopf abgewendet, kommt ein Fremder des Weges
Klopapier und Mehl sind das neue Gold
Kein anderes Thema mehr im Lande.

Die große Krise auf allen Kanälen des medialen Aufschwungs
Höre, die Schwachen und Alten kann es treffen
Und manchmal gar die Jungen, ja wen nicht?
Auch wenn das vorher niemand gekümmert hat...

Ein verordneter Aufschrei nach Solidarität
Solidarität mit jenen, die ihrem Beruf noch nachgehen dürfen
Solidarität mit den Alten, die von ihrer Rente nicht leben können
Aber für die jetzt wie selbstverständlich gesorgt wird.

Unsere Krankenhäuser schaffen das
Anderthalb Pflegekräfte pro Station stemmen den Wahnsinn
Und Götter in Weiß und mächtige Virologen sind die neuen Propheten.

Niemand wagt mehr Normalität
Wer sich gerne im Park trifft wird vielleicht schon morgen gesteinigt
Kümmere dich, bleib Zuhause
Alles für die Arbeit, dein Leben für den Job
Das war gestern und die alten Regeln gelten plötzlich nicht mehr.

Aber sinkt das Schiff, dann kommen die Haie
Fressen das kleine und große Geschäft
Rauben den Verlierern Recht und Verstand
Denn einer muss immer gewinnen
Aber werden das wir sein?

Immer anders, immer neu
Enfaltet sich das Spiel des Lebens
Die Illusion der Beständigkeit 
Bricht schneller als sonst
Wer den schönen Irrsinn nicht erkennt, dem entgeht der halbe Spass.

Dienstag, 24. März 2020

Erwacht oder nicht erwacht – das ist keine Frage

Im Geschäft um das Erwachen oder die Erleuchtung werden immer dieselben Fehler begangen. Aus dem Mythos der Erleuchtung wird die sprichwörtliche Karotte, die dem Esel vor die Nase gehalten wird.
Im Netz kann man sogenannte erwachte Lehrer finden, die mit ihrer Erfolgsquote von erwachten Schülern werben, ganz so wie es Motivationslehrer mit ihren Schäfchen tun, wenn diese plötzlich erfolgreich werden. In solchen Fällen geht es ums Geschäft und da kann ein Meeting schon mal 500 Euro kosten. Immerhin, nicht viel Geld, wenn es „life changing“ ist, oder?
Generell wird viel über Erleuchtung bzw. Erwachen geredet und viel dazu erklärt. Zu viel für meinen Geschmack.
Nehmen wir einen typischen Suchenden, den es nach Erleuchtung giert und der gar nicht so recht weiß, warum überhaupt. Klar, er hat eine Idee, was das bedeuten könnte: Freiheit, nicht mehr leiden müssen, unendliches Glück, ein besseres Leben... Jeder möchte eigentlich glücklich und unbeschwert leben und niemand weiß so recht, wie er es anstellen soll. Da kommt so eine schicke Erleuchtung gerade recht. Also geht der Suchende zu jemanden, der ihm dabei helfen soll. Lange muss er nicht suchen – das Angebot scheint größer als die Nachfrage zu sein. So viele glückliche Erwachte, die ihre Dienste feilbieten.
Wirklich, wirklich viele... manche konnten sich auf dem Markt etablieren, touren durch Deutschland oder die Welt und machen damit gutes Geld. Andere müssen sich da schon mehr abstrampeln und kämpfen um jeden Kunden.

Ich möchte den Quatsch gerne jeden ersparen, der diese Zeilen liest. Wer nach Glück sucht, wird nicht um seine Probleme herumkommen, er muss immer mitten durch. Das gilt für jeden, der glücklicher leben möchte. Da ist keine magische Erleuchtung, die plötzlich alles wegzaubert und dich ins Nirvana schießt – nun, vielleicht kurzzeitig, aber die harte Landung erfolgt garantiert.
Es gibt den Prozess des Erwachens, der Realisierung dessen, was du bist. Und manche stolpern regelrecht darüber und sind völlig desorientiert. Die Geschichten von Leuten, die erwachen und völlig verwirrt durchs Leben straucheln, kommen nicht von ungefähr. Aber auch spontan Erwachte müssen sich ihren inneren Dämonen noch stellen, sonst kann die Identifikation mit der fiktiven Person sich wieder durch die Hintertür einschleichen und die Landung wird noch härter, der Fall noch tiefer. Sie brauchen dann dringend einen Lehrer, der sie dazu anhält, sich Zeit zu nehmen, die neue Perspektive zu erforschen und eben nicht den erleuchteten Guru zu spielen.
Neben dem spontanen Erwachen gibt es den viel langsameren und vermutlich auch sichereren Weg. Das schrittweise Begreifen, was du eben nicht bist, um dann zu erkennen, was bleibt. Das braucht Zeit, nimmt aber auch alle Illusionen und jeden Glauben an irgendwelchen Blödsinn.
Wer diesen Weg ernsthaft beschreitet, verliert das Interesse an einer mystischen Erleuchtungsidee. Es ist das Verstehen, dass das Leben immer Schmerz und Herausforderungen für uns bereithält und wir darauf reagieren. Da ist aber auch in der schwierigsten Lebenssituation immer der Teil in uns, der von Schmerz (als auch von oberflächlicher Freude) völlig frei ist. Dieser Teil ist immer präsent und wir können ihn jeden Moment wachsen lassen. Das erfordert Aufmerksamkeit, Wachsamkeit und die stete Bereitschaft, das, was da erwacht, an die erste Stelle zu setzen.
Kurz gesagt, da ist einfach kein Platz mehr, sich um etwas wie Erleuchtung Gedanken zu machen. Und es ist aus der Perspektive eines Lehrers völlig lächerlich, diese Freiheit jemand anderem verkaufen zu wollen. Ernsthafte Schüler werden sich immer ihren Lehrer bzw. Guru kümmern, da er die Verkörperung dessen ist, was sie in sich selbst entdecken. Aber das ist jenseits von jedem Business - da sind keine Erwartungen oder gar Verträge.

Die allerwenigsten unter den Suchenden werden ernsthaft diesen Weg beschreiten, wenn sie erst einmal begreifen, was es erfordert, dies zu tun. Wer diesen Weg lange genug gegangen ist, muss das wissen und wird von daher kein Interesse daran haben, irgendjemanden als Schüler zu werben und daraus ein Geschäft zu machen. Er wird eher das Gegenteil tun und nicht seine Zeit und die seiner Schüler mit Leuten vergeuden, die nach Wegen suchen, ihre privaten Probleme zu lösen oder ihr Ego zu stärken.

Entsprechend sollte das Angebot vieler Lehrer ehrlicher werden: ihr wollt eine gute Zeit mit euch verkaufen. Das ist okay. Aber lasst die Karotte aus dem Spiel!