Samstag, 29. Februar 2020

Konsequent glücklich sein oder: „Das macht auch nichts mehr...“

Über Glück wurde schon so viel geschrieben und geredet. Trotzdem sind mir in meinem Leben nicht viele Menschen begegnet, für die das Glück wichtig genug erschien, um daraus ein Lebensziel zu machen. Warum haben sich die meisten Leute mit dem Gefühl der Zufriedenheit abgefunden? Ist das ein Zeichen der Resignation? Stößt das Ideal des Glücks auf die harten, realen Begebenheiten, die das Glück unmöglich erscheinen lassen? Das Leben ist doch dabei so kurz... sollte nicht jeder nach Glück streben oder ist das einfach zu egoistisch? Kann man glücklich sein und dabei nicht bloß an sich selbst denken?

Nun, vielleicht einmal von Anfang an. Dieser kurze Abriss sollte vielleicht einmal mit dem Begriff an sich beginnen. Er scheint zunächst genauso mythisch und unnahbar wie das Wort Liebe.
Ich will mich auch gar nicht erst an einer umfassenden Literaturrecherche versuchen.
Vor einigen Jahren las ich mal ein Buch mit dem Titel: Flow von diesem Autor, leider mit einem für mich unfassbar schwierigen Namen. Die Idee des Glücks-Rausches, fand ich sehr passend, konnte mich aber mit den Schlussfolgerungen nicht anfreunden.

Es nervt auch, dass in den jährlichen Erhebungen Glück und Zufriedenheit immer synonym verwendet werden. Wahrscheinlich ist es ähnlich wie mit der Liebe. Diese wird auch gerne mit romantischem oder sexuellem Begehren, die Sorge um den Nachwuchs oder einer Vorliebe für eine Sache verwechselt. Das wäre ein Thema für einen weiteren Text... obwohl eigentlich sind die Gemeinsamkeiten zwischen Glück und Liebe größer als man - oberflächlich betrachtet - meinen mag. Der gelungene Weg zum Erleben von Glück oder Liebe ist, zumindest nach meiner Erfahrung, absolut identisch.

Glück und Liebe sind beide nicht zu fassen, nicht zu halten. Dieser Punkt ist vielleicht der wichtigste im Verstehen um die Problematik. Alles, was ich tun kann, ist: die rechten Bedingungen zu schaffen, damit sich beides erleben lässt. Und diese Bedingungen sind nicht äußerlicher Natur. Sie sind unabhängig von meinen Lebensumständen, damit meine ich radikal unabhängig davon, ob mein Leben kritisch betrachtet gut oder bescheiden läuft, ob ich habe und kriege, was ich will oder mir das Leben grad mal wieder einen Tritt in den Hintern verpasst hat (ja, das macht es gerne). Macht aber alles nichts. Diese Auffassung ist in einer Marktwirtschaft (oder im Kapitalismus) nicht besonders populär, auch wenn schon einige Menschen auf die Idee gekommen sind, ihr Leben zu vereinfachen, nach dem Bestseller: Simplify your Life. Wir bekommen jeden Tag durch die Nutzung der Medien andere Träume präsentiert, welche sich besser in gesellschaftliche Marktziele einordnen.

Was das Glück am besten ausschließt ist das Gefühl der Angst. Ebenso das Bedürfnis sich gegen alles und jeden abzusichern und das Leben kontrollieren zu wollen. Das ist wahrscheinlich schon statistisch betrachtet ziemlicher Blödsinn, da das Leben mit immer neuen Unwägbarkeiten aufwartet.
Mit diesem Sicherheitsbedürfnis und der Angst im Nacken bin auch ich (wie so viele) aufgewachsen. Die Sorge um morgen ließ auch meiner erweiterten (Groß-)Familie das tägliche Kümmern so richtig zum Sport werden.
Da wurde sich so lange um morgen gekümmert bis kein morgen mehr übrig war. Die Leichtigkeit des Lebens ging verloren, indem man ernsthaft versuchte sich um alle Belange zu kümmern. Wie sagte es Karl Renz (ein deutscher Künstler und Wortakrobat, der spirituell Suchenden regelmäßig sprichwörtlich den Kopf wäscht) in einem seiner Talks so schön: der Kümmerer wird zum Kümmerling. Da ist nämlich immer einer zu viel, um wirklich frei zu sein.

Und damit kommen wir zurück zu den rechten Bedingungen oder dem Nährboden, um Glück entstehen zu lassen. Die Voraussetzung beginnt mit dem Fehler im letzten Satz: Glück muss nämlich nicht erst entstehen. Es ist schon da und das war es schon immer. Und eine Bedingung, um dieses Glück auch zu spüren habe ich bereits angesprochen: angstfrei zu sein. Das beginnt mit der Stille im Kopf, welche dann auch die Angst im Bauch weichen lässt. Das lässt sich in jeder Lebenssituation durch richtige Meditation fördern. Für alle, die jetzt in ihrer Unwissenheit innerlich „oh je, nicht schon wieder OM“ rufen: die Wirkung der Meditation ist lange wissenschaftlich erwiesen, wurde auch schon viel drüber geschrieben und lässt sich leicht im Netz nachlesen.
Ich meditiere seit 10 Jahren, d.h. im Schnitt zwischen einer und drei Stunden am Tag. Nicht immer ist die Meditation gleich, das macht aber nichts – dieses Phlegma musste ich erst lernen, indem sich die Resultate einer sog. erfolglosen Meditation wiederholt als nicht weniger hilfreich herausstellten. Ist im Grunde alles Einstellungssache im wahrsten Sinne.
Was ich mache? Ich versuche einfach ruhig und absichtslos zu sitzen, unterdrücke nichts und erzwinge nichts, weder Gedanken noch Gefühle. Ich erlaube mir nur, meine Aufmerksamkeit in ihren Ursprung fallen zu lassen. Das ist die eigentliche Reise, die echt spannend ist: ab in den Ursprung des erlebbaren Bewusstseins, bis da nur noch Bewusstsein ist und keine persönliche Story mehr. Dann ist da nur noch Subjekt ohne Objekt, nur noch Sein ohne persönliche Anhaftung.
Genauso schön ist auch der Rest des Tages. Auch während der Arbeit oder während jemand nett mir mir spricht oder mich gelegentlich anschreit, richte ich meine Aufmerksamkeit auf den Frieden im Hintergrund – das ist die im Titel erwähnte konsequente Haltung. Verweile ich in diesem Frieden, entstehen unmittelbar Glück, das Gefühl der Weite und eine stille Liebe, die kein Ziel hat. Nichts davon kann irgendwer halten, es ist einfach ein ursprünglicher Teil von dem, was ich bin und was jeder ist. Ich bin über die Jahre stiller geworden, nachsichtiger und glücklicher, weil ich meine Person nicht mehr so wichtig nehme. Die hat ihre Fehler und Tücken und das mag vermutlich auch so bleiben.

Ja, das ist alles nichts für Realos, für Leute die im Leben stehen und was erreichen wollen und so. Macht aber auch nichts.