Sonntag, 19. Juli 2020

Das Leben wird dich immer kriegen...

don´t think a mountain home means you´re free
a day doesn´t pass without its cares
old ladies steal my bamboo shoots
boys lead oxen into the wheat
grubs and beetles destroy my greens
boars and squirrels devour the rice
things don´t always go my way
what can I do but turn to myself
(aus: „The mountain poems of Stonehouse“, übersetzt von Red Pine)

So beschreibt der erleuchtete Einsiedler Stonehouse im 14. Jahrhundert die Erschwernisse des eigentlich einsamen Lebens auf einem Berg. Er weist darauf hin, dass das Leben überall und immerzu Herausforderungen für uns bereithält. Seien es nun die Tiere, welche die Ernte zerstören oder vorbeiziehende Menschen, die jede Gelegenheit zur Achtlosigkeit oder zum Stehlen nutzen. Diesbezüglich hat sich niemals etwas geändert. Wenn also der Leser glaubt, das Leben als Eremit sei irgendwie einfacher – Stonehouse sagte es mit folgenden Worten eindrücklich, dass es nur einen Weg gibt, der Vorstellung von einem einfachen Leben zu entkommen: was kann ich tun, außer mich meinem Selbst zuzuwenden? Die wahre Freiheit, so erkennt es der erleuchtete Einsiedler, liegt nur in der Schönheit des eigenen Selbst, im Frieden und der Liebe, die wir alle im Kern sind.
Auch wenn es so scheint, als würde uns das Leben in Arbeit und Schwierigkeiten ersticken wollen, so ist der ganze Trubel nur an der äußersten Oberfläche unseres Sein zu erkennen. Tauchen wir nur ein wenig in das ein, was die Tiefe unserer wahren Natur offenbart, verschwindet jede Mühsal und jeder Kummer schneller als es der Verstand glauben mag.
Die Fähigkeit zur Innenschau, die über Emotionen und Gedanken hinweg blickt, kann ein mächtiges Werkzeug im Leben sein, sofern es gepflegt wird. In ruhigen Zeiten das Selbst zu erforschen, mit allen Mitteln, die z.B. in diesem Blog aufgezeigt werden oder durch einen Lehrer vermittelt werden können, lässt uns in stürmischen Momenten erkennen, dass da kein Sturm ist. Sehen wir einen Horrorfilm, dann verschwindet die Furcht, sobald wir dem Film die Aufmerksamkeit entziehen. Haben wir einen Alptraum, so weicht die Angst mit dem Erkennen, dass es nur ein Traum ist. Sind wir daran gewöhnt, einen Einblick in das Ausmaß des inneren Friedens zu gewinnen, kann uns der oberflächliche Trubel immer weniger anhaben.
Die Triggerpunkte verschwinden nach und nach, auch wenn es sich um sogenannte tiefe psychische Wunden handelt, die das Leben immer wieder aufreißt. „What can I do but turn to myself.“, meint nicht mich selbst als Person. Der zum wahren Selbst erwachende Mensch erkennt in Körper und Psyche lediglich eine automatische bzw. karmische Funktion, die eingebettet in die gesamte Existenz gemäß Ursache und Wirkung ohne menschlichen Willen und Entscheidungsfreiheit abläuft - eben wie ein Film, der ein Drehbuch hat. Was im Erkennen der eigenen Natur nachlässt, ist der Glaube an die Identifikation mit Körper und Geist. Dadurch entspannt sich das ganze System nach und nach und auch das Leben wird tendenziell „leiser“ - gemäß der Stille und dem Frieden, welche in uns verborgen liegen. Aber niemals so ganz und auch nicht sofort, wie uns Stonehouse so wunderbar aufzeigt.

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